24h-Qualirennen-2017-Schnitzer

BMW Schnitzer: Die Rückkehr der Rekordsieger

Das ADAC Zurich 24h-Rennen 2017 bringt ein Duell zurück auf die Strecke, das geschichtsträchtig ist: Das Schnitzer-Team kehrt als Werksmannschaft von BMW zum 24h-Rennen zurück und trifft hier mit Manthey-Racing auf eine der traditionsreichsten Porsche-Mannschaften. Beide Teams konnten das 24h-Rennen jeweils fünf Mal gewinnen. Ein weiterer Sieg würde bedeuten, die Führung in dieser prestigeträchtigen Statistik alleine zu übernehmen. Fünf Jahre dauerte die Schnitzer-Abstinenz, nun kehrt das bayrische Team wieder an die Nordschleife zurück und wird mit zwei BMW M6 GT3 antreten: Eine Kombination, die jeden Experten mit der Zunge schnalzen lässt. Aber auch Manthey gehört nach den Siegen bei den ersten beiden VLN-Rennen wieder zum engen Favoritenkreis – die 24h-Rennen werden so auch auf Teamseite zum Duell der Motorsport-Titanen.

Fünf Mal konnte Schnitzer das 24h-Rennen auf dem Nürburgring gewinnen – zum ersten Mal 1989. Als Erinnerung an diesen Erfolg geht in diesem Jahr ein BMW M6 GT3 im damaligen markanten Design mit den drei farbigen Streifen an den Start. Die Fahrer bilden einen Mix aus erfahren Nordschleifen-Piloten (Augusto Farfus, Timo Scheider) und Nordschleifen-Neulingen (Antonio Felix Da Costa und Alex Lynn). „Das Design ist einfach toll“, freut sich Farfus. „Wenn ich als Kind dieses Design gesehen habe, wusste ich: Das ist ein Rennwagen von BMW.“

Der BMW M3 E30 – klein aber oho
Charly Lamm war schon beim ersten 24h-Sieg Teamchef bei Schnitzer und erinnert sich gerne an den damaligen BMW M3 E30: „Das war ein kleines Auto mit kleinem Motor, aber eine Fahrmaschine. Wir waren von der Motorleistung her gegen unsere Gegner von Ford, Volvo, Jaguar oder Rover unterlegen. Aber der M3 war in der ersten Runde so schnell wie in der letzten. Die Reifen haben nicht abgebaut, und er hat wenig Benzin verbraucht. Wir konnten also lange Stints fahren.“ Dazu kam mit Roberto Ravaglia, Emanuele Pirro und Fabien Giroix eine extrem gute Fahrerpaarung.

Später folgten einige Jahre Pause, bis Schnitzer mit dem M3 GTR (E46) von 2003 bis 2005 auf die Nordschleife zurückkehrte und zwei weitere Siege einfuhr. Fünf Jahre später, 2010, trat das bayrische Team für zwei Jahre mit dem M3 GT2 (E92) an und sicherte sich Sieg Nummer fünf. Der Brasilianer Augusto Farfus, der auch in diesem Jahr zum Fahrerkader gehört, hat zwei 24h-Rennen mit dem Team bestritten. „Beim ersten Mal haben wir gewonnen“, erinnert er sich an das Jahr 2010. „Bei meinem zweiten Start wurden wir Zweite.“

Erste Teilnahme mit einem GT3-Fahrzeug
Jetzt kehrt Schnitzer wieder auf die Nordschleife zurück und fühlt sich, trotz der vielen Erfolge, derzeit eher als Neuling. „In den paar Wochen, in denen wir jetzt wieder hier sind, haben wir festgestellt, dass sich doch einiges verändert hat“, erzählt Teamchef Lamm. „Die Hauptveränderung ist die Kategorie der GT3-Fahrzeuge. Wir mögen schon ein paar Mal hier gewonnen haben, aber 2011 ist auch schon eine Weile her. Ich sage deshalb zum Team: Wir haben eine gewisse Erfahrung, sind aber auch Rookies. Wir fahren hier schließlich zum ersten Mal mit einem GT3-Auto!“

Kluge Renntaktik ist entscheidend
Was ist notwendig, um den Sieg von damals zu wiederholen? Die Nordschleife und ihre speziellen Begebenheiten spielen immer eine große Rolle. „Die Strecke ist eigentlich gleich. Die paar Änderungen sind vernachlässigbar. Aber die Nordschleife ist ein Mysterium – ihre Länge und ihr Umfeld, wie zum Beispiel das Wetter – machen sie so schwierig“, erklärt Lamm. „Alles, was die Eifel an Herausforderungen verlangt und an Geheimnissen hat, muss man kennen und ins operative Geschäft einfließen lassen.“ Mit dem BMW M6 GT3 hat das Team Schnitzer zwei VLN-Rennen und einen Test auf der Nordschleife bestritten und ist noch dabei, das Auto kennen zu lernen. Dazu kommt noch die Balance of Performance, die Schnitzer zum ersten Mal erlebt. „Ich weiß nicht, ob sie Fluch oder Segen ist. Die Fans haben ein ausgeglichenes Fahrzeugfeld, aber man kann sich nicht absetzen“, erläutert Lamm lachend. „Jetzt ist es wichtig, von der ersten Rennstunde an einen Rhythmus zu finden, um in Schlagdistanz zur Spitze zu sein. Sobald sich eine Situation ergibt, in der man sich profilieren kann – ein schneller Fahrer, die richtige Reifenwahl, die Nacht – muss man eine Lücke herausfahren.“

Farfus: „Siegen ist hier schwieriger als in Le Mans“
Auch die Fahrer machen sich ihre Gedanken um die anstehende Herausforderung: „Das 24h-Rennen auf dem Nürburgring ist mittlerweile ein Sprintrennen geworden“, erklärt Augusto Farfus. „Früher musste man einfach irgendwie durchkommen und war vorne mit dabei. Auf der Nordschleife gibt es kein Safetycar, das heißt jede verlorene Sekunde ist auch verloren. Hier zu gewinnen ist schwieriger als in Le Mans. Die Strecke ist eine große Herausforderung, man hat mehr Fahrzeuge und muss die gesamte Zeit pushen.“

Die Fahrer: Ein Mix aus alten Hasen und jungen Hüpfern
Antonio Felix da Costa gehört zu den Piloten, die den BMW mit dem historischen Design pilotieren und wird im Mai sein erstes 24h-Rennen auf dem Nürburgring bestreiten. „Ich bin schon in der DTM für Schnitzer gefahren, und es ist genial, dass ich auch am Ring für dieses Team an den Start gehen kann“, freut sich der Portugiese. „Für uns wird es nicht einfach, da Alex Lynn und ich neu auf der Nordschleife sind. Aber Augusto Farfus und Timo Scheider haben viel Erfahrung.“ Farfus sieht in dem Mix auch einen Vorteil: „Sie gehen noch offen an die Sache ran. Wir erfahrenen Piloten sind alles so gewohnt, dass wir nicht auf neue Ideen kommen. Die jungen aber schon.“