24h-Rennen_2016_Start_24hQualirennen

Der prestigeträchtigste Fight für Supersportwagen

Für das ADAC Zurich 24h-Rennen (26. bis 29. Mai) bahnt sich ein spannender Fight der derzeit wohl stärksten GT-Teams und -Hersteller an. Der Langstrecken-Klassiker auf der berühmten Nürburgring-Nordschleife lockt in diesem Jahr so viele Top-Piloten und Teams an wie selten zuvor. Ob Vorjahressieger Audi, Rekord-Sieger BMW, Mercedes-Benz oder Porsche: Sie alle wollen ihre Teams beim Fight um den prestigeträchtigen Sieg unterstützen. Selten war es dabei so schwer, einen Favoriten auszumachen. Denn nach dem Sieg von Audi beim ersten VLN-Lauf bestimmten zuletzt beim 24h-Qualirennen (16. / 17. April) andere die Pace. Der Pole für den brandneuen BMW M6 G3 von Rowe Racing folgte ein Doppelsieg der beiden Mercedes-AMG GT3 von HTP und Haribo Motorsport. Und auch ein Werks-Porsche 911 GT3 R von Manthey Racing verfehlte das Podium nur knapp: Es geht eng zu in der spannenden Nordschleifensaison 2016.

Es hat mittlerweile eine gewisse Tradition, dass vor dem ADAC Zurich 24h-Rennen gepokert und gemauert wird: Welches Team will schon den Konkurrenten vorzeitig zeigen, wie stark die eigene Performance ist? Und so ist das spannende Ratespiel auch in diesem Jahr: Wer tritt als Favorit beim Saisonhöhepunkt an? Mit dem Sieg des Phoenix-Audi R8 LMS beim ersten VLN-Lauf schienen die Titelverteidiger sich den meist als unbequem empfundenen Schuh anzuziehen. Doch Frank Sippler (Bad Münstereifel) wiegelte ab: „Wir profitieren nur von einem Erfahrungsvorsprung. Ich bin mir sicher, dass die Lücke mit jedem Rennen ganz fix kleiner wird.“ Genau so kam es: beim 24h-Qualirennen trafen die Konkurrenten zum zweiten Mal aufeinander und diesmal hatten andere die Nase vorne. DTM-Pilot Maxime Martin fuhr im BMW M6 GT3 von Rowe Racing die Pole Position heraus und übernahm nach dem Start zum sechsstündigen Rennen auch die Führung. „Wir verbessern das Auto mit jedem Mal, wenn wir auf die Strecke gehen“, berichtete der Belgier. „Unsere Pole war eine Bestätigung dafür. Dass wir hier so schnell waren, ist ein gutes Zeichen. Mit dem BMW M6 GT3 haben wir ein starkes Gesamtpaket, das mit jedem Einsatz noch besser wird.“

DTM-Pilot Vietoris: „Heiße Phase hat begonnen“
Neben Martin stand in der ersten Startreihe der pechschwarze Mercedes-AMG GT3 des Bonner Teams Haribo Racing. Die von AMG unterstützte Mannschaft schickte mit Uwe Alzen als Startfahrer einen weiteren Nordschleifen-Experten ins Rennen, um dem jungen Belgier den Spitzenplatz streitig zu machen. Doch es kam anders. Alzen: „Ich hatte mich nach Kurve eins schon als Zweiter eingereiht, als ich von einem Konkurrenten einen Schlag aufs Heck bekommen habe“. Was folgte, war ein Beleg für das Fahrkönnen des Betzdorfers und die Leistungsfähigkeit seines Einsatzgerätes. Denn von ganz hinten im 70 Fahrzeuge starken Feld fuhr er bis auf Platz drei nach vorne. „Das war wirklich nicht einfach“, gibt er zu. „Es herrschten widrige Wetterverhältnisse mit Graupelschauern, teilweise war der Asphalt sogar weiß. Ich hatte aber gesehen, dass es heller wird, bin auf Slicks draußen geblieben und habe mich durchgeboxt.“ Am Ende musste sich Haribo nur den Markenkollegen von HTP Motorsport beugen. Drei Wochen vor dem DTM-Auftakt griff dort mit Christian Vietoris (Gönnersdorf) ein weiterer DTM-Pilot ins Volant. „Mit dem 24h-Qualirennen hat für uns nun die heiße Phase der Vorbereitung auf das 24h-Rennen begonnen“, so Vietoris. Er beschreibt, was neben der akribischen Abstimmungsarbeit für viele Teams ebenfalls ein wichtiger Beweggrund für den Start war, denn über das Trainings- und Rennergebnis hatten die Teams die Möglichkeit, sich ihren Start im Kampf um die besten Startplätze beim 24h-Rennen zu sichern: „Am Sonntagmorgen haben wir im Zeittraining die blaue Lampe für die Teilnahme am Top-30-Qualifying bekommen. Damit haben wir das Hauptziel des Wochenendes erreicht. Jetzt ist auch noch ein Sieg herausgekommen – einfach klasse. Ich freue ich mich auf das 24h-Rennen. Das ist in diesem Jahr ein echtes Highlight in meinem Kalender.“

Markenvielfalt an der Spitze des Feldes
Insgesamt fünf Marken schafften beim 24h-Qualirennen den Sprung in die Top 10. Neben den siegreichen Mercedes-AMG GT3 fuhren die Dritten Rowe Racing zum ersten Mal einen Podiumsplatz für den BMW M6 GT3 auf der Nordschleife heraus. Auch Audi und Porsche landeten auf den Spitzenplätzen – der 911 GT3 R von Jörg Bergmeister (Langenfeld) und Mattheo Cairoli (Italien) lag sogar auf Podiumskurs, wurde aber durch eine Zeitstrafe eingebremst. „Dumm gelaufen – Matteo hat anscheinend eine Code-60-Flagge übersehen und entsprechend haben wir eine Strafe bekommen“, schilderte Jörg Bergmeister, der sich beim Quali-Wochenende einen Eindruck von der Leistungsfähigkeit der Hauptkonkurrenten machte. „Insbesondere Mercedes scheint mir sehr stark zu sein, da konnten wir nicht ganz mithalten. Aber wir haben aus dem, was wir hatten, das Optimum herausgeholt, deshalb bin ich auch ganz zufrieden.“ Ebenfalls in den Top 10 schafften es zwei Nissan GT-R GT3. Und nur knapp an der Spitzengruppe vorbei schrammten die spektakulären Supersportwagen der Scuderia Cameron Glickenhaus – der beste SCG 003 C wurde als Elfter abgewinkt. Eines dürfte also bereits jetzt feststehen: Weil sich kein Favorit herauskristallisiert, wird der Sieg beim 24h-Rennen in diesem Jahr besonders hart umkämpft sein.

21. April 2016